SAP BW Modernisierung & Data Renewal
Teil 2 der SAP-Blogserie: Welche Entscheidungen Sie jetzt aus Architektur- und Datensicht treffen müssen
Das Wartungsende als struktureller Wendepunkt
2027 endet die Mainstream Maintenance von SAP BW 7.5. Dieses Datum markiert in vielen SAP-Landschaften kein technisches Ereignis, sondern einen strukturellen Wendepunkt. Und das zu einer Zeit, in der die Daten- und Analytics-Architektur ohnehin unter Druck steht: Viele BW-Systeme sind historisch gewachsen und eng mit der SAP Business Suite verzahnt. Gleichzeitig durchlaufen oder planen zahlreiche Unternehmen die Migration zu S/4HANA, während die Anforderungen an Analytics, Planung und datengetriebene Entscheidungen kontinuierlich steigen. Aus unserer Erfahrung zeigt sich: Das BW-System an sich ist meist nicht das Problem. Vielmehr stößt die zugrunde liegende Architektur für Daten, Semantik und Analytics an ihre Grenzen. Das Wartungsende macht diesen Umstand sichtbar und erzwingt Entscheidungen, die lange vertagt wurden. In unserem Blogbeitrag nehmen wir die verschiedenen Handlungsoptionen daher etwas genauer unter die Lupe.
BW vs. Business Data Cloud: Gleiche Idee, neue architektonische Realität
Über viele Jahre war SAP BW das Rückgrat für Reporting, Analytics und teilweise auch Planung in SAP-Landschaften. Der Grundgedanke bestand darin, eine harmonisierte Datenschicht bereitzustellen, fachliche Logik zentral abzubilden und darauf aufbauend Auswertungen und Planungen zu ermöglichen. Dieses End-to-End-Verständnis war eines der Erfolgsmodelle von BW.
Mit der Business Data Cloud greift SAP diesen Grundgedanken erneut auf, allerdings unter völlig anderen technischen und architektonischen Rahmenbedingungen:
- Die Architektur ist Cloud-orientiert, stärker modularisiert und servicebasiert aufgebaut.
- Datenhaltung, Semantik, Logik und Nutzung werden entkoppelt und über Data-Product-Konzepte zusammengeführt.
- Statt proprietärer Strukturen rücken offene und interoperable Formate wie Parquet und Open-Table-Formate (z. B. Apache Iceberg) in den Vordergrund. Dadurch können Daten jetzt auch plattformübergreifend gespeichert und verarbeitet werden.
Diese Offenheit erleichtert die Integration mit Nicht‑SAP‑Technologien, erhöht die Flexibilität im Datenarchitekturdesign und unterstützt moderne Analytics‑ und AI‑Workloads über Systemgrenzen hinweg. Wichtig für Sie: Die BDC ist kein „neues BW“, sondern ein Paradigmenwechsel. Wer diesen bewusst gestaltet, kann Verantwortung, Governance und Architektur effizient neu aufsetzen – statt nur bestehende Strukturen zu migrieren.
Die eigentliche Entscheidung: Drei klare Architekturpfade
Mit dem Wartungsende von SAP BW stehen Unternehmen nicht vor einer technischen Detailfrage, sondern vor einer grundlegenden architektonischen Weichenstellung. In der Praxis lassen sich drei konsistente Architekturpfade unterscheiden: SAP-zentriert, Non-SAP-zentriert und hybrid.
Die drei Architekturpfade im Überblick:
Jeder Architekturpfad hat unterschiedliche Auswirkungen auf Steuerbarkeit, Abhängigkeiten und Zukunftsfähigkeit. Entscheidend ist daher, diese Optionen bewusst zu wählen und nicht implizit durch Einzelentscheidungen entstehen zu lassen.
Lift, Shift, Innovate – Einordnung aus Projektsicht
Für den Übergang von BW in Richtung Business Data Cloud empfiehlt SAP einen dreistufigen Ansatz aus Lift, Shift und Innovate.
- Lift: Technische 1:1-Übernahme bestehender BW-Inhalte zur schnellen Stabilisierung ohne fachliche Änderungen.
- Shift: Schrittweise Migration bestehender BW-Komponenten in eigene Data Products. Ein spezieller Data Product Generator soll diesen Schritt ab 2026 unterstützen.
- Innovate: Gezielte Neugestaltung der Modelle für Data-Product-Architekturen, Echtzeit-Analytics, integrierte Planung oder KI-Anwendungen.
In der Praxis kann dieser Ansatz sinnvoll sein, um Zeit zu gewinnen und Risiken zu steuern. Wichtig ist jedoch: Ein reiner Lift verlängert lediglich das Bestehende. Erst in den Phasen Shift und Innovate entsteht die Möglichkeit, bestehende Logiken zu hinterfragen und strategisch relevante Szenarien neu aufzusetzen. Ohne klares Zielbild besteht somit die Gefahr, lediglich alte Architekturen in neuer Technologie fortzuführen – anstatt die Datenlandschaft zu modernisieren.
Stolpersteine vermeiden
In vielen BW-Modernisierungsprojekten lassen sich ähnliche Muster beobachten. Häufig wird versucht, bestehende Logiken möglichst unverändert zu übernehmen, Entscheidungen werden überwiegend tool-getrieben getroffen und ERP-, Daten- und Analytics-Teams arbeiten nicht selten mit unterschiedlichen Zielbildern. Das führt zu Reibungen, inkonsistenten Lösungen mit neuen Abhängigkeiten und langfristig höherer Komplexität.

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